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Fast 400 Jahre gelebte Geschichte – Menschen, die unseren Verein und Fürstenau geprägt haben

VonSpree 28. Juli 202628. Juli 2026

Liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder,

wenn wir heute auf fast 400 Jahre Schützenfestgeschichte zurückblicken, dann sprechen wir nicht über Jahreszahlen. Wir sprechen über Menschen, über Frauen und Männer, die unsere Heimat getragen haben. Über Bürger, die Verantwortung übernommen haben und etwas geschaffen haben, das bis heute lebt.

Die Geschichte der Bürgerschützen von 1658 beginnt nicht in einer Zeit des Friedens, sondern in einer Zeit der Angst.

Der dreißigjährige Krieg hatte tiefe Wunden hinterlassen. Unsicherheit, Not und Hoffnungslosigkeit bestimmten das Leben der Menschen. Doch gerade in dieser schweren Zeit entstand der Wunsch nach Zusammenhalt, nach Ordnung und nach neuer Zuversicht. So erließ der Landesherr im Jahr 1657 die Vogelschießordnung. Sie sollte nicht nur die Wehrhaftigkeit der Bürger stärken, sondern vor allem den Menschen ihre Selbstsicherheit und ihre Lebensfreude zurückgeben. Am 3. August 1658 wurde diese Ordnung endgültig eingeführt – und genau darin liegen die Wurzeln unseres Bürgerschützenvereins.

Im Sommer des Jahres 1658 geschah dann etwas, das bis heute nachwirkt.

Zum ersten Mal trafen sich die Bürger Fürstenaus zu einem Vogelschießen. Früh am Morgen rief der Trommelschlag die Männer der Stadt zusammen. Jeder erschien mit seinem eigenen Gewehr. Gemeinsam marschierten sie – geschmückt mit frischem Grün – durch die Straßen ihrer Heimat hinaus zum Schießplatz.

Am Ende dieses Tages wurde der beste Schütze der Stadt ausgezeichnet. Er erhielt einen silbernen Vogel an einer Kette – ein Geschenk aus dem Gründungsjahr 1658.

Und das Besondere ist:

Dieser Vogel existiert noch heute. Er hängt bis heute an unserer Königskette. Jeder Schützenkönig trägt ihn während seines Regentschaftsjahres mit Stolz. Wenn wir ihn sehen, sehen wir nicht einfach ein Stück Silber. Wir sehen fast vier Jahrhunderte gelebte und lebendige Geschichte. Wir sehen Generationen von Fürstenauern, die diese Tradition bewahrt haben. Wir sehen Geschichte, die man nicht nur lesen kann – sondern die man sie fühlen und anfassen kann. Damals war das Vogelschießen allerdings keine freiwillige Veranstaltung. Jeder Bürger war zur Teilnahme verpflichtet. Wer fehlte, musste Strafe zahlen. Frauen und Jugendliche durften nicht teilnehmen – so war es die Ordnung jener Zeit.

Heute ist vieles anders und das ist auch gut so!

Denn Tradition bedeutet nicht, alles zu bewahren, wie es einmal war. Tradition bedeutet, das Wertvolle zu bewahren und gleichzeitig offen für Veränderungen zu bleiben. Nach einigen Jahrzehnten wurde die Teilnahme freiwillig. Danach verlieren sich die schriftlichen Spuren.

Doch eines wissen wir sicher:

Der Geist unseres Schützenwesens ist nach wie vor lebendig.

Ein weiteres bedeutendes Zeugnis dieser Geschichte ist unsere erste Fahne aus dem Jahr 1716. Sie trägt die Worte:

„Pro lege, grege et Glockenschlag.“

Für Gesetz.
Für die Gemeinschaft.
Für den Bereich, in dem der Glockenschlag von Fürstenau zu hören ist.

Oder einfacher gesagt:

Für Land.
Für Gemeinschaft und Heimat.
Für Fürstenau.

Im Jahr 1723 entstand eine weitere Tradition, die bis heute unser Vereinsleben prägt:

 Die Avantgarde.

Seit inzwischen über 300 Jahren stehen unsere Jungschützen für Begeisterung, Gemeinschaft und Zukunft. Sie zeigen, dass jede Generation Verantwortung übernehmen muss, damit Geschichte weitergeschrieben werden kann.

Dann begann ein neues Kapitel.

1842 fassten engagierte Bürger neuen Mut. Hofmedikus Dr. Dorfmüller, Advokat Schimmelpfennig und Amtsinspektor Scheuer übernahmen Verantwortung. Sie gründeten eine neue Schützengesellschaft und beantragten beim Magistrat die Durchführung eines Schützenfestes. Ohne diese Männer gäbe es unsere heutige Vereinsgeschichte vermutlich nicht, ich bin mir sicher, dass diese Männer genau wussten, was sie taten, Sie wussten aber vielleicht nicht, wie wichtig und weitreichend Ihre Entscheidung sein würde…

Am 18. August 1842 wurde auf dem Anterhof wieder Schützenfest gefeiert.

Die Stadt Fürstenau stellte den Festplatz zur Verfügung, auch daran kann man erkennen, wie tief die Verbindung der Bürgerschützen mit unserer Stadt Fürstenau ist. Ich persönlich finde das ergreifend und es löst in mir eine Gänsehaut aus, wenn ich als Präsident der Bürgerschützen am Schloßplatz stehe und sehe, wie die Kompanien einmarschieren und die Kutschen einfahren, das ist lebendige Geschichte und es  ist einfach nur wunderschön! Die Stadt Fürstenau vertraute den Schützen erneut den silbernen Vogel von 1658 und die historische Fahne der Jungburschen an. Ein starkes Zeichen des Vertrauens und auch heute noch bei unserem aktuellen Projekt ist die Stadt Fürstenau wieder sehr eng an unserer Seite und schenkt uns Ihr Vertrauen.

 An dieser Stelle sei einmal gesagt, der Bürgerschützenverein Fürstenau von 1658 wird auch immer an der Seite der Stadt Fürstenau stehen, komme was wolle!!!

Ein Jahr später kennen wir erstmals den Namen eines Schützenkönigs: Küster Friedrich Josef Schirmeyer.

 Seitdem reiht sich Jahr für Jahr König an König oder Königin nicht als Herrscher, sondern als Botschafter unserer Gemeinschaft und unserem Gedanken und das ist bis heute so und ich hoffe inständig und arbeite dafür, dass es genauso bleibt!

Genau für diesen Gedanken und für dieses Gefühl setze ich mich als Präsident ein. Das ist für mich ein sehr ermutigender und anspornender Gedanke, denn diese Vereinsgeschichte löst in mir eine Gänsehaut aus, denn sie ist einmalig in der gesamten Region!

 Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich unser Schützenfest immer weiter. Es zog auf neue Festplätze um.

Neue Traditionen entstanden.

 1935 schenkte Präsident August Lange den Kindern ihr eigenes Schützenfest. Ein wunderbarer Gedanke, denn wer Kinder für Gemeinschaft begeistert, sichert nicht nur die Zukunft des Vereins, sondern er bezieht sie mit ein und diese fühlen sich dann „ernst genommen“ und sind dann auch mit Herzblut dabei und bereichern ein Fest auf die beste Art und Weise

1936 entstand mit dem Kalberschießen eine weitere Tradition, die unser Schützenfest bis heute bereichert.

Jedoch waren zu der Zeit in Deutschland die Auswirkungen der Wahl von 1933 mittlerweile sehr stark zu spüren, das Böse breitete sich rasant aus und es war der Beginn einer dunklen Zeit nicht nur in Fürstenau, sondern in ganz Deutschland und  Europa, ja sogar auf der ganzen Welt! Die Nazis waren an die Macht gekommen, sie sicherten und etablierten durch pure Gewalt Ihre Macht, Menschen wurden unterdrückt, verfolgt, zur Zwangsarbeit gezwungen und im Zuge des Holocaust massenhaft getötet. Wir alle kennen unsere Geschichte und sie sollte uns allen ein mahnendes Beispiel sein, wohin Ausgrenzung, Egoismus, Fanatismus und reine Machtgeilheit führen können. Dann begann am 1. September 1939 der zweite Weltkrieg. Ein Flächenbrand in ganz Europa, der unsagbar viel Schmerz und Leid auf diesem Kontinent ausgelöst hat und der die dunkelsten Seiten der Menschen hervorgebracht hat. Die Geschichtsbücher sind aus gutem Grund voll davon und sie mahnen uns alle. Diese Mahnungen sind grade in der heutigen Zeit wichtiger denn je, wie ich finde!

Das Vereinsleben verstummte. Das Schützenwesen wurde verboten.

Beim Rathausbrand im Jahr 1945 verbrannten nahezu alle alten Protokolle unseres Vereins. Viele Namen, viele Geschichten von beeindruckenden Menschen, viele Erinnerungen gingen für immer verloren. Ein sehr schmerzlicher Verlust, nicht nur für die Bürgerschützen, sondern für unsere Stadt Fürstenau, unsere Heimat!

Aber wie sagt man so schön:  „Immer wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!“

Denn es gab und gibt etwas, das kann nicht mit Waffen und mit Feuer bekämpft werden, es ist, wenn man so möchte der Geist unseres Schützenwesens und das Gute in uns Menschen. Selbst die kleinste Kerze vermag es, die tiefste Dunkelheit zu besiegen und so trafen sich 35 mutige Mitglieder erneut 1948 und gründeten diesen Verein neu! Denn Sie wussten, es gibt etwas Gutes in dieser Welt und dafür lohnt es sich zu kämpfen!

Unter der Leitung des Vizepräsidenten Franz Brinker begannen sie den Wiederaufbau unseres Vereins.

Sie hatten wenig. Was sie aber hatten war  Hoffnung, Zusammenhalt, Ihre Gemeinschaft und den festen Glauben daran, dass Fürstenau wieder ein Schützenfest feiern würde.

1949 war es schließlich soweit.

Das erste Schützenfest nach dem Krieg wurde gefeiert.

Ein Fest des Neuanfangs!
Ein Fest des Friedens!
Ein Fest für die Menschen!

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich unser Verein mit beeindruckender Dynamik!

Neue Präsidenten übernahmen Verantwortung.
Der Schießstand entstand.
Der Schützenplatz wurde gebaut.
Das Vereinsleben wuchs stetig.

Und genau deshalb stehe ich als amtierender Präsident der Bürgerschützen von 1658 heute hier, fast 400 Jahre nach unserer Gründung.

Nicht, weil Geschichte selbstverständlich ist.

Sondern:

  • weil Menschen sie getragen haben.
  • Mit Herz, Mut und Verantwortung
  • Mit Liebe zu den Menschen aus Fürstenau

Unsere Aufgabe ist es, diese wunderbare und beeindruckende Geschichte weiterzuschreiben. Nicht für uns allein, sondern für unsere Kinder und Enkelkinder und alle die nach uns kommen!

Denn irgendwann werden auch sie zurückblicken.

  • Und sie werden sich nicht daran erinnern, wie schön oder geil unsere Feste waren bzw. sind!
  • Sie werden sich daran erinnern, ob wir bereit waren, Haltung und Menschlichkeit zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen.
  • Ob wir den wahren Geist des Schützenwesen erkannt haben und die Gemeinschaft und die Werte gelebt haben.
  • Und ob wir unsere Heimat genauso geliebt und für Sie eingestanden haben wie die Menschen aus dem Jahr 1658.

Das liebe Freundinnen und Freunde ist das wahre Vermächtnis der Bürgerschützen aus Fürstenau von 1658 e.V.
Und darauf sollten wir alle mit Ehrfurcht und Stolz zurückblicken und es sollte uns zu mutigem und verantwortungsvollem Handeln anspornen!!!

Horrido!

 Euer Präsident Andreas Gerdes im Jahre 2026

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